Ahmed Arif: Die Ketten verzehrt aus Sehnsucht nach dir

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Hasrettinden Eskittim Prangalar
Gedichte türkisch-deutsch

Aus dem Türkischen von Helga Dağyeli-Bohne u.a.
Auflage 2019
160 Seiten, Hardcover
ISBN: 9783935597449

Kategorie: Schlüsselworte: ,

Beschreibung

Ahmed Arif wurde in Diyarbakır geboren und begann bereits als Gymnasiast ab 1943 in linken Literaturzeitschriften zu veröffentlichen. Ein frühes Gedicht, das er als Student der Philosophie schrieb, machte ihn bekannt und brachte ihn ins Gefängnis. Es beschrieb die extralegale Hinrichtung von 33 kurdischen Schmugglern durch das Militär, ein Skandal, der die Republik erschütterte. Arif wurde mehrfach wegen »kommunistischer Propaganda« inhaftiert. Beeinflusst von Nâzım Hikmet und André Gide, entwickelte Arif einen eigenen Stil, der die Formensprache der Moderne mit den Mythen und Epen der kurdischen Berge verband und die vielfältigen Dialekte und Sprachen Anatoliens aufnahm. Mit seinen Gedichten schuf er gleichsam eine poetische Landkarte seiner Heimat. Seine politische Haltung verhinderte im repressiven Klima der 1950/60er Jahre jedoch eine vielversprechende künstlerische Karriere. Arif schlug sich als Korrektor und Lektor durch und veröffentlichte gelegentlich in Literaturjournalen. Erst 1968 erschien sein einziger Gedichtband, der unzählige Auflagen und Raubkopien erlebte. Seine Gedichte aber fanden Aufnahme in Liedern der Popkultur und in legendären Filmen von Yilmaz Güney. Arif gilt bis heute als eine der wichtigsten Stimme der türkischen und kurdischen Linken.
Nach seinem Tod veröffentlichte sein Sohn posthum 2003 eine zweite Sammlung. Beide Bände sind in dieser zweisprachigen Ausgabe zusammengefasst, ergänzt um ein Interview mit Ahmed Arif, in dem er seine Sprache und Poetik erläutert.

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Könnte ich dich begreifbar machen, dich.
Den braven Kindern, den Helden.
Dich begreifbar machen, dich
Dem Ehrlosen, der Mitgefühl nicht kennt,
Der hurengleichen Lüge.
Wieviele Winter, einer nach dem andern,
Schlief der Wolf, schlief der Vogel, schlief der Kerker.
Draußen rauscht die Welt dahin … 
Nur ich konnte nicht schlafen,
Wieviele Frühlinge, meine Liebe,
Die Ketten aufgezehrt vor Sehnsucht nach dir.
Lass mich Blutrosen in dein Haar flechten,
Eine dorthin,
Eine hierhin … 
Könnt ich dich doch hinausschreien, dich,
In tiefe Brunnen,
Zu den dahinziehenden Sternen,
Dorthin, wo das Streichholz im Müll landet,
Zur einsamsten Welle des Ozeans,
Dahin, wo das Streichholz in den Müll fällt.

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