Dağyeli Verlag Werkstatt

Werkstatt

Texte auf's Papier zu bringen, dieses zu einem Buch zu binden, braucht etwas Zeit. Die nutzen wir, um an dieser Stelle schon mal auf kommende Editionen aufmerksam zu machen. Auch wenn das Cover noch im Entwurfsstadium ist und lektoriert und korrigiert werden muss. Wir teilen unsere Vorfreude auf die neuen Titel mit Ihnen.
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Ein zweisprachiger Gedichtband, der eigentlich bereits 2021 erscheinen sollte: Geplantes Release im November 2022: Yermen Anti »Die Wiederkunft der Wunderkinder«.

Zeitdiagnosen mit Ansage: 30 Jahre gelenkte Demokratie, Zombisierung der Gesellschaft und die Sehnsucht nach 1937…

Der Sound zum Buch: https://ermen.antimusic.ru/

Der alten Welt entsage ich
Entbinde mich von aller Pflicht
Ich will nicht Roms Heroe sein
Lieber ein fröhliches Trinkerschwein

Lieber bin ich Junkie als Untertan
Eines überlebten Imperators
Flotten Schrittes, vorwärts ins Vergangne
Steigen General und Gladiator

Wer nicht als Loser schon geboren ist
Als Lumpenhund als ungebetner Gast
Ist der, wenn Mutter Heimat ruft
Den sie im Lenz zum Monster macht

Scheiß jetzt auf den Künstlerschmerz
Wir alle sind nur schmierige Komplizen
Manche, die bessren, haben noch Skrupel
Die andren frisst der schnelle Rubel

9783935597586

Satire ist zumeist der Versuch, die Widersinnigkeiten des Lebens nicht als Tragödie beschreiben zu müssen. Die Erzählungen des kasachischen Schriftstellers, Journalisten und Theaterregisseurs Rakhymzhan Otarbayev (1956 – 2018) bewegen sich an der Scheidelinie zwischen Satire und Tragödie. Wie einst Michail Soschtschenko übernimmt er oft die naive Sicht seiner Protagonisten, lässt Hinterwäldler auf die Moderne treffen, überkommene Bräuche auf überholte Ideologien und die Gnadenlosigkeit des speziellen postsowjetischen Turbokapitalismus. Ein einfacher Jäger fürchtet sich vor der Globalisierung, die ihm sein durchtriebener Gast ausmalt, ein Dorfmädchen sucht Arbeit und Glück und wird von einer Bordellbesitzerin zusammengeschlagen. Ein korrupter Mandatsträger muss sich vor der Wut der Demonstranten retten. Ein junger Mann verweigert den Eid auf das Vaterland, eine ältere Frau heiratet ihren jungen Liebhaber und zieht den Hass ihrer Umgebung auf sich. Altgewordene Arbeiter sinnieren beim Wodka über Fluch und Segen der Perestroika und in einem Erntelager gehen sich zwei ehemals nach Sibirien Verbannte wegen eines Stalintattoos an die Gurgel. Amerikaner und Chinesen haben Pläne für eine High-Tech-Rinderzucht  was wie Soschtschenkos »Kuh im Propeller« endet, und für einen hohen Staatsfunktionär muss ein repräsentatives Grab gefunden werden. In Otarbayevs Geschichten spiegelt sich die Dramatik eines Landes, das sich zwischen den imperialen Ansprüchen Russlands und Chinas behaupten muss und einen hohen Blutzoll entrichtete. Die romantische Verklärung der Steppe und nur leise Kritik an den Kolonialmächten, wie etwa bei Tschingis Aitmatow, sind seine Sache nicht. Er zieht mit drastischen Worten vom Leder, und doch schwingt eine ganz eigene Poesie darin. Das brachte ihm Ehrungen und Ächtung gleichermaßen ein, den Durchbruch in Westeuropa verhinderte sein zu früher Tod.