Zafer Şenocak: Der Pavillon

14,80 

Zafer Şenocak
Der Pavillon
Roman

ISBN: 9783935597754

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Beschreibung

Zafer Şenocak
Der Pavillon
Roman

aus dem Türkischen von Helga Dagyeli-Bohne
176 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 9783935597754

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Zusätzliche Information

Inhalt

Lichtes Blau, das Summen der Bienen, der Gesang des Windes in den Blättern, Istanbul und Hilde. Was wie ein Sommermärchen
beginnt, gerät dem introvertierten Musikstudenten Hamit während des Militärputsches zu einer Erkundung zwischen Traum und Alptraum.

Hamit ist ein Junge mit besonderen Fähigkeiten. Er hat ein feines Gehör und hört Geräusche, die normalerweise nicht zu hören sind. Er beginnt ein Studium in München und spezialisiert sich auf Neue Musik. Im Frühjahr 1960 geht er mit seiner Freundin Hilde nach Istanbul. Dort soll er seinem Bruder helfen, der auf dem Gelände eines alten osmanischen Landschlosses eine Imkerei betreibt und den Auftrag bekommen hat, das Honiggeschäft, das die Familie seit jeher betreibt, landesweit zu modernisieren und zu organisieren. Hamit, im Gegensatz zu seinem Bruder kein gläubiger Mann, erfährt, dass das Landschloss der Sommersitz des letzten Kalifen Abdul Mecid Efendi war—ein Maler und musischer Mensch. Doch die Muslime der Gegenwart, die im Umkreis des Hauses leben, sind alles andere als musisch. Sie sind bigott und mißtrauisch.

Das Militär hat geputscht, Hilde das Land verlassen und der Bruder befindet sich auf Geschäftsreise in Anatolien. Hamit ist allein in dem alten Pavillon. In einer Art Traum erscheint ihm der mumifizierte Leichnam des letzten Kalifen auf seinem Bett. In einem anderen Haus übt ein Geiger, der zwischen seinen musischen Interessen und seinem Glauben hin und her gerissen ist. Währenddessen muss sich der Gärtner des Landschlosses vor den Sicherheitskräften in einem verlassenen Kloster außerhalb der Stadt verstecken.

Das Buch ist eine Auseinandersetzung mit einer problematischen Modernisierungsgeschichte, die viele heute wieder aktuelle Fragen aufgeworfen hat: nach Glauben und Zugehörigkeit, Verhältnis zur Geschichte, Nationalgefühl. Spürbar wird eine Sehnsucht nach Spiritualität, die jedoch von einer formalisierten, ritualisierten Religion nicht mehr aufgefangen wird. Die kulturelle Verwahrlosung auf der einen Seite, die bruchstückhafte Erinnerung an die Tradition auf der anderen schaffen eine angespannte Atmosphäre. Senocak bedient sich unterschiedlicher Sprachebenen und verbindet eine dokumentarische Erzählweise mit einer poetischen und philosophischen Sprache. Dabei erzählt er eine spannende, ungewöhnliche Geschichte, die die Leser bis zum Schluß fesselt.

Autor

Zafer Senocak, 1961 in Ankara geboren, wuchs in Istanbul und München auf. Er schreibt Bücher in deutscher und türkischer Sprache sowie essayistische Beiträge für Zeitungen und Rundfunk. Seine essayistische Beiträge erscheinen regelmäßig in taz, Die Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, im Tagesspiegel, Rheinischen Merkur, Süddeutsche Zeitung sowie im Deutschlandradio, Deutschlandfunk und WDR.

In den 1980er Jahren debütierte er mit Gedichten, für die er 1984 mit dem Literaturstipendium der Stadt München ausgezeichnet wurde. Weitere Gedichtbände, seine vielbeachteten Essaybände und vier Romane erschienen ab den 1990er Jahren. Seit 2004 veröffentlicht Senocak auch auf Türkisch. 2008 erschien »Der Pavillon« (»Kösk«) in türkischer Sprache. Zafer Senocak war »writer in residence« an verschiedenen renommierten amerikanischen Universitäten. Ein Portraitbuch über den Autor erschien 2003 in Großbritannien in der Reihe Contemorary German Writers. Senocaks Werke sind in mehrere Sprachen übersetzt worden; Ende 2008 erschien eine Auswahl seiner Gedichte in den USA.

Presse

»Lyrisch, detailreich und eminent politisch: Zafer Senocak erzählt in seinem jüngsten Roman »Der Pavillon« aus der Zeit des Militärputsches von 1960 in der Türkei … Seine Aufsätze greifen immer wieder die stereotypen Bilder des Westens vom »Orient« und die Auseinandersetzung zwischen Tradition und Moderne auf. Senocak schreibt deutsch und türkisch. »Ich repräsentiere in der deutschen Kultur das Transnationale, Kosmopolitische«, sagt er von sich. Identität – ein Schlüsselthema auch im »Pavillon«, illustriert vor allem in der leidenden Hilde – ist für ihn »eine dynamische Angelegenheit«. Sie »verändert sich, vermischt sich, sie fließt«. In diesem Fließen sollen wir eine Heimat finden, gibt uns der Autor auf den Weg. Keine einfache Aufgabe.« Lilian-Astrid Geese, neues deutschland, 2010