Rakhymzhan Otarbayev: Der Verräter

20,00 

Erzählungen

Aus dem Russischen von Walerija Weiser und dem Kasachischen von Özgecan Kesici-Ayoubi
ca 220 Seiten, Hardcover, 20,00 EUR

ISBN: 9783935597586

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Beschreibung

Satire
ist zumeist der Versuch, die Widersinnigkeiten des Lebens nicht als Trag
ödie beschreiben zu müssen. Die Erzählungen des kasachischen Schriftstellers, Journalisten und Theaterregisseurs Rakhymzhan Otarbayev (1956 – 2018) bewegen sich an der Scheidelinie zwischen Satire und Tragödie. Wie einst Michail Soschtschenko übernimmt er oft die naive Sicht seiner Protagonisten, lässt Hinterwäldler auf die Moderne treffen, überkommene Bräuche auf überholte Ideologien und die Gnadenlosigkeit des speziellen postsowjetischen Turbokapitalismus. Ein einfacher Jäger fürchtet sich vor der Globalisierung, die ihm sein durchtriebener Gast ausmalt, ein Dorfmädchen sucht Arbeit und Glück und wird von einer Bordellbesitzerin zusammengeschlagen. Ein korrupter Mandatsträger muss sich vor der Wut der Demonstranten retten. Ein junger Mann verweigert den Eid auf das Vaterland, eine ältere Frau heiratet ihren jungen Liebhaber und zieht den Hass ihrer Umgebung auf sich. Altgewordene Arbeiter sinnieren beim Wodka über Fluch und Segen der Perestroika und in einem Erntelager gehen sich zwei ehemals nach Sibirien Verbannte wegen eines Stalintattoos an die Gurgel. Amerikaner und Chinesen haben Pläne für eine High-Tech-Rinderzucht was wie Soschtschenkos »Kuh im Propeller« endet, und für einen hohen Staatsfunktionär muss ein repräsentatives Grab gefunden werden. In Otarbayevs Geschichten spiegelt sich die Dramatik eines Landes, das sich zwischen den imperialen Ansprüchen Russlands und Chinas behaupten muss und einen hohen Blutzoll entrichtete. Die romantische Verklärung der Steppe und nur leise Kritik an den Kolonialmächten, wie etwa bei Tschingis Aitmatow, sind seine Sache nicht. Er zieht mit drastischen Worten vom Leder, und doch schwingt eine ganz eigene Poesie darin. Das brachte ihm Ehrungen und Ächtung gleichermaßen ein, den Durchbruch in Westeuropa verhinderte sein zu früher Tod.

Zusätzliche Informationen

Autor

Der Autor, 1956–2018, arbeitete als Journalist und Radioredakteur, war Regisseur und Theaterleiter. Er veröffentlichte Theaterstücke, Erzählungen und Romane. Seine Arbeiten setzen sich kritisch mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander.

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Rakhymzhan Otarbayev

Rakhymzhan Otarbayev wurde am 19. Oktober 1956 in Kurmanghazy in der westkasachischen Region Atyrau geboren und studierte bis 1977 am Pädagogischen Institut Ural. Er arbeitete als Journalist, Lehrer für kasachische Sprache und Literatur, Redakteur beim Fernseh- und Rundfunkkomitee und den Journalen »Kasachische Literatur« und »Zhalyn« sowie als Attaché in Kyrgyzstan. Danach war er in der Präsidialverwaltung und als Generaldirektor der Akademischen Nationalbibliothek in Astana tätig. Zuletzt war er künstlerischer Leiter des Dramatischen Theaters Atyrau. Er schrieb Romane, Erzählungen und vielgespielte Theaterstücke, vorwiegend zu historischen und zeitgeschichtlichen Themen. Eine Auswahl seiner Erzählungen wurde ins Russische und Chinesische übersetzt, einzelne Geschichten ins Türkische, Arabische, Französische, Italienische und Bulgarische. Für seine Arbeiten erhielt er verschiedene Auszeichnungen, u.a. den Preis der Internationalen Tschingis-Aitmatow-Sti.ung. Im Januar 2017 war er Stipendiat des Literarischen Colloquiums Berlin. Er verstarb unerwartet am 17. Februar 2018 an einem Herzversagen.

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