Abdulla Qodiriy: Die Liebenden von Taschkent

24,00  inkl. MwSt.

Roman

Aus dem Russischen von Arno Specht
überarbeitet nach dem usbekischen Original von Barno Aripova
372 Seiten, Hardcover
24,00 EUR
ISBN: 9783935597531

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Zusätzliche Information

Inhalt

Ein Klassiker der modernen usbekischen Literatur erstmals in unzensierter deutscher Übersetzung.
Vor dem Hintergrund einer feudalen Gesellschaft und der russischen Kolonialherrschaft entspinnt sich eine tragische Liebesgeschichte. Der Sohn eines reichen Kaufmanns heiratet seine große Liebe, die jedoch von einem anderen begehrt wird. Dieser intrigiert gegen den Kaufmannssohn und bezichtigt ihn revolutionärer Umtriebe. Nur der unerschrockene Einsatz seiner Frau rettet ihn vor dem Galgen. Seine Mutter indes will ihm der Tradition gemäß eine zweite Frau geben. Der Sohn weigert sich, seiner Liebe untreu zu werden und beugt sich nur formal dem Druck. Die zurückgewiesene Zweitfrau sinnt auf Rache und es kommt zu einem tödlichen Showdown.

Autor

Abdulla Qodiriy (1894 – 1938) gehörte zu einer Gruppe von Intellektuellen, die die usbekische Gesellschaft erneuern wollten. Er pflegte Kontakte zu sozialistischen wie reformislamischen Kreisen und verschrieb sich der Aufklärung. Seine schriftstellerische Tätigkeit verstand er als Kritik an verstaubten Moralvorstellungen.
Qodiriys Roman erschien zunächst als Fortsetzungsroman, dann 1926 als Buch und wurde heftig diskutiert. Der Autor selbst fiel 1938 den stalinistischen Säuberungen zum Opfer.

Leseprobe

Es war bereits dunkel, als Hasanali das Haus verließ. Der Himmel war wolkenverhangen, und im eisigen Wind wirbelten Schneeflocken. Hartgefrorene Erdklumpen bedeckten die Straße. Bei Tauwetter würden die Fußgänger bis an den Gürtel im Schlamm versinken. Jetzt aber war die Straße gangbar, und das Knirschen des Schnees unter den Sohlen klang wie Musik.
Die Läden waren bereits geschlossen, dafür herrschte in den Chaikhanas lebhaftes Treiben. In der Mitte der Teestuben brannten offene Feuer; Knaben tanzten zur Belustigung der Gäste, die sich aus den verschiedensten Altersklassen zusammensetzten: jungen Männern, Mullas mit großen schwarzen Turbanen und Greisen. In den langen Winternächten waren die Chaikhanas stets voller Menschen. Am Hof Ziyo-Shohichis angelangt, wandte sich Hasanali der Männerhälfte zu und warf einen Blick auf eines der mit Läden verschlossenen Fenster. Durch die Ritzen drang Licht, also war jemand zu Hause. Der Alte nahm eine würdevolle Haltung an und trat ein. Im Empfangszimmer fand er Ziyo-Shohichi bei der Abendandacht.
»Was habt Ihr mir zu sagen?« fragte Ziyo-Shohichi erstaunt. »Ihr werdet überrascht sein«, erwiderte lächelnd Hasanali, »und es vielleicht nicht glauben.«

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