Muchtar Auesow: Aufstand der Sanftmütigen

14,50 

Muchtar Auesow
Aufstand der Sanftmütigen
Erzählung

ISBN: 9783935597487

Beschreibung

Muchtar Auesow
Aufstand der Sanftmütigen
Erzählung

Aus dem Russischen von Eckhard Thiele
Mit einem Nachwort von Mario Pschera
200 Seiten, Softcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783935597487

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Zusätzliche Information

Inhalt

1916 brodelt es im zaristischen Mittelasien. Der Zar hat, entgegen seiner Verpflichtungen, Befehl gegeben, junge Kasachen zum Kriegsdienst in der Etappe einzuziehen. Nach den alltäglichen Demütigungen, Landraub und Bevormundung bringt dieser Tropfen das Faß zum Überlaufen. Selbst der für seine Sanftmut gerühmte Stamm der Albaner wird von der Empörung erfaßt. Der quirlige Marktplatz im Karkaratal im Grenzgebiet zu Kyrgyzstan und China, auf dem Nomaden, Bauern und Händler aller Regionen aufeinandertreffen, wird zum Umschlagplatz von Neuigkeiten und wachsendem Unmut. Die Nomaden formieren sich zum Widerstand. Tausende von Reitern brechen gegen die zaristischen Obrigkeit und ihre Handlanger, die reichen Beis auf. Der Aufstand jedoch wird niedergeschlagen und die Aufständischen, die das folgende Blutbad überlebt haben, packen ihre Jurten und ihren Besitz zusammen und fliehen ins Ungewisse. Der Marktplatz bleibt verlassen zurück.

Autor

Muhtar Auesow wurde 1897 in eine kasachische Nomadenfamilie im Gebiet Semipalatinsk geboren. Sein Großvater brachte ihm die Liebe zum kasachischen Aufklärer und Nationaldichter Abaj nahe, sein Onkel schickte ihn in die städtische russische Schule. 1919 beendete Auesow das Lehrerseminar in Semipalatinsk, 1928 die Fakultät für Orientalistik in Leningrad. Er war einer der wenigen aus der kasachischen Intelligenz, die die stalinschen Säuberungen überlebten. Nach seiner Promotion in Taschkent war er ab 1946 Mitglied der kasachischen Akademie der Wissenschaften. Auesow schrieb seit 1917 Erzählungen, Theaterstücke und Romane und übersetzte die russischen Klassiker ins Kasachische. Er starb 1961 in Moskau.

Leseprobe

Nicht ein einziges Mal während dieser zwanzig Jahre in der Steppe hatte Siwy Sagriwok Derartiges mit ansehen und mit anhören müssen. Auch kein anderer hatte Derartiges mit angesehen oder mit angehört. Jetzt konnte der Pristaw bei keinem auch nur eine Spur von Zweifel entdecken. Die Schwarzmützen kamen in Bewegung, drängten vorwärts, bedrängten den Urjadnik und die schmale Kette der Kosaken und berittenen Soldaten, der Dolmetsche und Angestellten. Hier und dort wurden braunhäutige Fäuste über dem Kopf geballt, überall fielen derbe Flüche. Der Kanzlei, von drei Seiten umzingelt, ging es an die Gurgel.

Auf die kleine staubige Wiese, wo Turlygosha stand, trat ein grauhaariger, barfüßiger Mann in geflicktem Tschapan, einen mageren Ochsen am Geschirr führend. »Wer unsere Dshigiten hergeben will«, sagte er, »bekommt das zu kosten.« Er zog ein langes Messer mit schwarzem Griff und blitzender Klinge unter seinem Gewand hervor. Und hielt es dem Pristaw hin. Turlygosha faßte den Bettelarmen um die Schultern. Auch andere umarmten ihn. Der Pristaw stand da, halb tot, halb lebendig, tat aber, als lasse ihn alles kalt.

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