Muchtar Auesow

Muchtar Auesow wurde am 28. September 1897 als Sohn einer Nomadenfamilie im ostkasachischen Tschingistau-Gebiet geboren. Sein Großvater lehrte ihn lesen und schreiben. Später ging er an eine der wenigen Schulen, die eigens von der russischen Verwaltung für die Heranbildung von Dolmetschern und untergeordneten Verwaltungsbeamten eingerichtet wurden. Für einen Kasachen seiner sozialen Herkunft unüblich, studierte er bis 1919 am Lehrerseminar in Semipalatinsk und beendete 1928 ein Studium der Orientalistik in Leningrad. Seit 1917 schrieb er etliche Erzählungen und Theaterstücke. Auesow erarbeitete sich die Stoffe hierfür mit journalistischen Methoden, fuhr quer durchs Land und unterhielt sich mit den Ortsansässigen. Die Erzählung erschien erstmals 1928 in der damaligen kasachischen Hauptstadt Kyzyl-Orda, in kasachischer Sprache und noch in arabischer Schrift. Mit dem Schriftwechsel zum kyrillischen Alphabet blieb den nachfolgenden Lesern »Qïlı Zaman« verschlossen. 1930 wurde Muchtar Auesow verhaftet und saß für fast zwei Jahre im Gefängnis. Verdächtigt wurde er wie die meisten Angehörigen der kasachischen Intelligentsija des Nationalismus und Antisowjetismus. Die wirtschaftlichen Fehlentscheidungen bei der gewaltsamen Industrialisierung und den Zwangskollektivierungen waren begleitet vom »Kampf gegen die Volksfeinde«. Ein Großteil der örtlichen Eliten wurde deportiert oder hingerichtet. Auesow überlebte, musste sich aber 1932 in öffentlicher Stellungnahme in der »Kasachskaja Prawda« selbst der schwersten Verbrechen gegen die Sowjetmacht bezichtigen und »Selbstkritik« üben. Seinen Plan, »Qïlı Zaman« zum ersten Teil einer fünfbändigen Reihe über die Entwicklung der kasachischen Gesellschaft zu machen, musste er aufgeben. Reportagen schrieb er fortan über die Durchsetzung des Sozialismus auf dem Lande und widmete sich literaturgeschichtlichen Fragen und Übersetzungen. Gleichzeitig begann er mit der Arbeit an dem Roman »Abai«, für die er ausgezeichnet und mit der er auch international bekannt werden sollte. Erst 1975 konnte die Erzählung erneut in kasachischer Sprache, zwei Jahre später in russischer Sprache erscheinen. Muchtar Auesow selbst hat dies nicht mehr erlebt. Er starb im Juni 1961 in einem Moskauer Krankenhaus.

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