Kirkor Ceyhan: Ein Klopfen an der Tür. Der abenteuerliche Weg des Simon C. aus Zara

16,80 

Roman

Aus dem Türkischen von Michael R. Hess und Sebile Yapıcı
Mit Nachrufen von Karin Karakaşlı und Doğan Akhanlı
146 Seiten, Hardcover, 16,80 EUR

ISBN: 9783935597814

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Beschreibung

Kirkor Ceyhan
Ein Klopfen an der Tür.
Der abenteuerliche Weg des Simon C. aus Zara
Roman

Aus dem Türkischen von Michael R. Hess und Sebile Yapıcı
Mit Nachrufen von Karin Karakaşlı und Doğan Akhanlı
146 Seiten, Hardcover
ISBN: 9783935597814

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Ein Familienroman nach wahren Begebenheiten aus der Zeit des Genozids an den türkischen Armeniern. Der demobilisierte Soldat Simon wird mit seiner Familie auf den Weg in die arabischen Wüsten gezwungen. Eskortiert von Gendarmen, attackiert von Läusen, hungrig, schmutzig, begegnen ihnen Hass, Gleichgültigkeit, aber auch kleine Gesten menschlichen Mitgefühls, die ihnen mitten im Zusammenbruch des Osmanischen Reiches das Überleben ermöglichen. Eine grausige Schwejkiade, in der Komik und Entsetzen dicht beieinander liegen.

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»Ein Buch, das scharf nach Orient riecht und schmeckt. Diesen armenischen, aber auf Türkisch geschriebenen Roman hatte ich schon vor einigen Jahren gelesen. Nun erfuhr ich, dass das Buch gerade frisch ins Deutsche übersetzt und herausgebracht worden ist. Das ist sehr erfreulich, denn es gehört zu den wertvollsten literarischen Publikationen zu diesem Thema in türkischer Sprache … Im Roman erkennt man ebenfalls Aspekte der mündlichen Erzählkultur des Orients, die in der langen Tradition der Dorfliteratur ziemlich oft vertreten ist. Der Ich-Erzähler spricht den Leser sogar manchmal so mit Du an, als ob er ihm gerade gegenüber sitzen würde, oder er erzählt im Rahmen einer Dialogszene eine lange Geschichte, in der plötzlich weitere Kurzgeschichten vorkommen. Die langen Beschreibungen von Personen und Orten sind zwar anschaulich, aber oft von Kommentaren des Erzählers durchsetzt. In allen Dialogszenen hat jede Person ihre eigene, authentische Redeweise.
Trotz dieser Elemente von ‚orientalischer‘ Erzählweise findet man im Roman zahlreiche realistische Kommentare der Protagonisten. Insbesondere der Ich-Erzähler reflektiert ständig selbsterlebte Gewalt- und Konfliktsituationen, mit deren Darstellung er zugleich seine Gefühle und Gedanken preisgibt. Immer wieder sind lösungsorientierte, auf das Überleben gerichtete Denk- und Handlungsweisen der Deportierten zu erkennen. Diese Stellen verraten dem Leser etwas über die Erfolgsgeheimnisse derjenigen Armenier, die überlebten.
Dieser Dialog zwischen den zwei Protagonisten markiert ein starkes Ende des Romans. Armenier, die den Völkermord überlebten, suchen sich zwei unterschiedliche Wege aus. Einige entscheiden sich für den Islam und bleiben dort, wo sie ihre Wurzeln haben. Andere verlassen Anatolien und fliehen irgendwohin, wo sie ihre eigene Kultur und Religion weiterhin ausleben können. Dadurch entstehen zwei Lebenswege, die noch 100 Jahre nach dem Völkermord weiterverfolgt werden: einerseits die muslimisierter Armenier in der Türkei, andererseits diejenigen in der armenischen Diaspora. Auf beide Richtungen bezogen kann man sagen, dass künstlerisch begabte Armenier aus der Verarbeitung des Völkermords eine neue Tugend geschaffen haben, deren Kern die Überlebenskunst der Armenier darstellt.«

Songül Kaya-Karadag, http://www.literaturkritik.de, 01.04.2015

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Kirkor Ceyhan

Kirkor Ceyhan wurde am 29.Oktober 1926 in Zara geboren. Sein Vater Simon wurde Sıgı Usta genannt. Seine Mutter Horik wurde mit Horik Hatun angesprochen. Er hatte drei Schwestern: Manusag, Armenuhi und Azaduhi. Der Vater, früher einmal Lehrer, ernährte die Familie als Maurer. Die Mutter webte Teppiche für die Reichen. Seine erste Bildung erhielt Ceyhan in Zara in der Gazi-Grundschule und der Cumhuriyet-Grundschule. Danach kam er zu seiner Tante, die nach Sivas geheiratet hatte, um die Mittelschule zu besuchen. Unter dem Einfluss eines Nachbarn der Tante, dem Müller Sımavon, wandte er sich der materialistischen Weltanschauung zu. Bald darauf brach er die Schule ab und sagte Sivas Adieu, um in Zara bei einem Schneider als Lehrling anzufangen, ohne Entgelt … Er versuchte den Schmerz darüber, dass er aufgrund fehlender materieller Möglichkeiten die Schule nicht weiter besuchen konnte, zu überwinden, indem er verbissen sämtliche realistischen Autoren der Weltliteratur las. Sein Interesse für Literatur begann bereits in jungen Jahren. So lernte er Sabahattin Ali durch dessen Bücher kennen. Seine Jugend fiel mit dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Im Januar 1946 heiratete er, im November wurde er zum Wehrdienst eingezogen, 1947 wurde er Vater. 1949 wurde er aus dem Militär entlassen und zog nach Istanbul. Die Familie fand in Gedikpasa ein Zuhause. Sein Vater Varjabed Simon wurde Küster in der armenischen Surp-Hovhannes-Kirche. In Istanbul traf er 1950 persönlich den Schriftsteller Kemal Tahir, der eben aus dem Gefängnis entlassen worden war. Ihre Bekanntschaft seit 1942 – als Kirkor in Zara, nachdem er eher zufällig erfahren hatte, dass Kemal Tahir eingesperrt war, diesem anfing Briefe zu schreiben – verwandelte sich in eine tiefe Freundschaft. Kirkor eröffnete eine Schneiderei in Çarsıkapı. Zwei weitere Kinder wurden geboren. 1965 emigrierte die ganze Familie in die Sozialistische Sowjetrepublik Armenien. Zehn Monate später schon kehrte sie wieder zurück und Kirkor erönete eine Schneiderei in Beyoglu. 1973 starb sein Vater, 1974 seine Frau. 1980 gab er seinen Beruf auf und ging als Rentner nach Frankreich zu seinen Kindern. 1982 heiratete er zum zweiten Mal, die Ehe wurde aber nach kurzer Zeit schon geschieden. In Deutschland heiratete er 1988 seine dritte Frau. 1990 starb seine Mutter. Von dieser Zeit an lebte er ständig in Bonn und besuchte häug Istanbul. Kirkor Ceyhan starb am 27. September 1999.

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