Zafer Şenocak: Deutsche Schule

18,00  inkl. MwSt.

Roman

Aus dem Türkischen von Helga Dağyeli-Bohne
2., überarbeitete Auflage 2019
164 Seiten, Hardcover
ISBN: 9783935597944

Kategorie: Schlüsselworte: , , , , ,

Zusätzliche Information

Inhalt

Die Wurzeln von Identitätspolitik und Konservatismus reichen in die deutsch-türkische Vergangenheit.
Zafer Şenocak wählt, nach realen historischen Vorbildern, eine ungewöhnliche Perspektive für seine Erzählung vom »Preußen-Blues« : Ein türkischer Offizier, der in der kaiserlichen Armee gedient hat und in der Weimarer Zeit Geschäftsmann in Berlin wird, geht mit seiner deutschen Frau als Agent des NS-Regimes nach Istanbul zurück. Als seine Frau stirbt, beginnt er mit seinen Memoiren, die zugleich eine Rechtfertigung der deutsch-türkischen Waffenbrüderschaft sind. Doch ihn beschleichen Zweifel an seinem Deutschsein, seiner eigenen Indifferenz und an seiner Mission, den Aufstand der türkischen Minderheiten in der Sowjetunion zu befördern. Seine Auftraggeber misstrauen ihm, der türkische Geheimdienst ist ihm auf den Fersen. Und als seine einstige Berliner Geliebte in Istanbul auftaucht, die auf der Flucht vor den Nazis ist und ein neues Leben in Palästina beginnen will, muss er sich entscheiden.

Autor

demnächst

Leseprobe

»Wir geben uns alle Mühe, Deutschland zu mästen, aber es gibt nicht mal mehr etwas zu naschen«, meinte scherzhaft Karl-Heinz, sein Kamerad im Schützengraben. Obwohl er an der Front die gleiche Standhaftigkeit und Tüchtigkeit wie Salih an den Tag legte, wurde er, wahrscheinlich seiner spitzen Zunge wegen, nicht in dem Maße befördert wie er selbst. Was Karl-Heinz jetzt wohl machte? Bei Kriegsende war er in der Armee verblieben, er sah keinen Nachteil darin, in der Weimarer Republik Offizier zu sein. »Ich bin so oder so ein Mann der Niederlagen«, stellte er fest. »Ich passe nun mal einfach gut zu dieser Republik.« Möglicherweise war er durch den Führer längst in den Ruhestand versetzt worden.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst trauerte er den abgerissenen Kontakten zu seinen Kriegskameraden nach. Ihm schien, dass die im Heer Verbliebenen das Vaterland und den Kaiser verraten hätten. Man bleibt nicht länger in einer besiegten, sich auflösenden Armee. Das widerspricht der Offiziersehre.

Presse

demnächst