Abdulla Qodiriy: Die Liebenden von Taschkent

24,00 

Roman

Aus dem Russischen von Arno Specht
überarbeitet nach dem usbekischen Original von Barno Aripova,
Mit einem Nachwort von Jeanine Dağyeli,
372 Seiten, Hardcover, 24,00 EUR

ISBN: 9783935597531

Beschreibung

Abdulla Qodiriy:
Die Liebenden von Taschkent
Roman

Aus dem Russischen von Arno Specht
überarbeitet nach dem usbekischen Original von Barno Aripova
Mit einem Nachwort von Jeanine Dağyeli
372 Seiten, Hardcover
24,00 EUR
ISBN: 9783935597531

Leseprobe-Qodiriy-Liebenden v Taschkent-opt

1847 reist ein junger Kaufmann aus Taschkent in Geschäften nach Marghilan, verliebt sich, heiratet und ist glücklich. Doch es gärt im Khanat, die Despoten gehen sich gegenseitig an die Gurgel. Der Vater des Kaufmanns versucht sich vermittelnd zwischen die Kontrahenten zu stellen, während der junge Kaufmann Opfer einer Intrige wird. Seine Frau kann ihn vor dem Henker retten. Doch sein Nebenbuhler ersinnt einen teuflischen Plan. In Taschkent kommt es zu einem Mas- saker. Als seine Eltern ihn mit einer zweiten Frau verheiraten, eskalieren die Ereignisse, und der junge Kaufmann kehrt mit einer falscher Identität nach Marghilan zurück …
»Die Liebenden von Taschkent« von 1926 ist der Klassiker der zentralasiatischen Literatur, auf Deutsch erstmals in der unzensierten Fassung.

Zusätzliche Informationen

Autor

Abdulla Qodiriy (1894–1938) gehörte zu einer Gruppe von Intellektuellen, die die usbekische Gesellschaft erneuern wollten. Er pflegte Kon- takte zu sozialistischen wie reformislamischen Kreisen und verschrieb sich der Aufklärung. Seine schriftstellerische Tätigkeit verstand er als Kritik an verstaubten Moralvorstellungen. Qodiriys Roman erschien als Fortsetzungsroman, dann als Buch und wurde ein Bestseller. Der Autor fiel nach verschiedenen Repressalien 1938 dem stalinistischen Terror zum Opfer.

Leseprobe

Es war bereits dunkel, als Hasanali das Haus verließ. Der Himmel war wolkenverhangen, und im eisigen Wind wirbelten Schneeflocken. Hartgefrorene Erdklumpen bedeckten die Straße. Bei Tauwetter würden die Fußgänger bis an den Gürtel im Schlamm versinken. Jetzt aber war die Straße gangbar, und das Knirschen des Schnees unter den Sohlen klang wie Musik.
Die Läden waren bereits geschlossen, dafür herrschte in den Chaikhanas lebhaftes Treiben. In der Mitte der Teestuben brannten offene Feuer; Knaben tanzten zur Belustigung der Gäste, die sich aus den verschiedensten Altersklassen zusammensetzten: jungen Männern, Mullas mit großen schwarzen Turbanen und Greisen. In den langen Winternächten waren die Chaikhanas stets voller Menschen. Am Hof Ziyo-Shohichis angelangt, wandte sich Hasanali der Männerhälfte zu und warf einen Blick auf eines der mit Läden verschlossenen Fenster. Durch die Ritzen drang Licht, also war jemand zu Hause. Der Alte nahm eine würdevolle Haltung an und trat ein. Im Empfangszimmer fand er Ziyo-Shohichi bei der Abendandacht.
»Was habt Ihr mir zu sagen?« fragte Ziyo-Shohichi erstaunt. »Ihr werdet überrascht sein«, erwiderte lächelnd Hasanali, »und es vielleicht nicht glauben.«

»Wir alle, ob hoch oder niedrig, wissen nichts Besseres, als Menschen den Kopf abzuschlagen«, entgegnete der Hadschi, »und glauben, so die Welt ordnen zu können. Auch ich bin ehrlich gesagt, dafür, Verbrechern den Kopf abzuschlagen, doch nur unter einer Bedingung: Zuerst muss eine Gemeinschaft von Menschen geschaffen werden, die keine persönlichen Vorteile erstreben und bereit sind, ihr Leben für das Wohl des Volks zu opfern.«

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Abdulla Qodiriy

Abdulla Qodiriy wurde 1894 im damaligen Generalgouvernement Turkestan, in Taschkent geboren. In bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, arbeitete er für einen Kaufmann, der ihn auf eine russische Schule schickte. 1913 veröffentlichte er seine ersten Gedichte, begann Artikel und Erzählungen zu verfassen. Zwischen 1915 und 1917 studierte er an der Abulqosim-Medrese islamische Wissenschaften. Nach dem Sturz des Zaren meldete Qodiriy sich freiwillig zur Volksmiliz, arbeitete für das Stadtteilkomitee und wurde publizistisch tätig. Ab 1923 war er Redakteur der Satirezeitschrift »Mushtum«, 1924 studierte er am Brjusov-Literaturinstitut in Moskau. »Ötkan Kunlar« erschien als Fortsetzungsroman in Zeitschriften, der in Buchform ungemein populär wurde. Mit dem Roman wurde Qodiriy zum Begründer der usbekischen Prosa und ein Vorbild für die historische Romanliteratur. 1926 wurde er wegen Beleidigung hochstehender Persönlichkeiten zu zwei Jahren Haft verurteilt, musste die Strafe aber nicht antreten. Seine Pressetätigkeit stellte er ein, arbeitete als Bauer und Übersetzer literarischer Werke. 1932 wurde er Mitglied des neugegründeten Schriftstellerverbands und schrieb an neuen Romanen. 1937 beschuldigte man ihn in der Presse, er sei Mitglied einer konterrevolutionären Gruppe und Trotzkist, zum Jahresende wurde er verhaftet und monatelang verhört. Ein Scheingericht verurteilte ihn am 5. Oktober 1938 zum Tode, Archivunterlagen zufolge wurde er bereits einen Tag vorher erschossen. Seine Werke waren fortan verboten. Nach 1956 wurde er zwar rehabilitiert, seine Schriften konnten aber in der Sowjetunion nur zensiert erscheinen. Ab 1969 wurden mehrere seiner Romane verfilmt.

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