Jorgos Valasiadis: Und über Tatavla fällt Schnee

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Jorgos Valasiadis
Und über Tatavla fällt Schnee
Roman
ISBN: 9783935597715

Beschreibung

Jorgos Valasiadis
Und über Tatavla fällt Schnee
Roman

Aus dem Türkischen von Helga Dağyeli-Bohne und Jorgos Valasiadis
Mit einem Vorwort von Feridun Andaç
200 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 9783935597715

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Zusätzliche Information

Inhalt

Eine Zeitreise in die Stadt am Bosporus, die vor Jahrhunderten Konstantinopel hieß – das kosmopolitische Istanbul. Der autobiographische Roman des Istanbuler Rum, so heißt die griechischsprachige Minderheit, Jorgos Valasiadis, entführt uns in die Welt seiner Kindheit und Jugend, die Gassen von Tatavla der 1950/60er Jahre. Zwischen Rebellion und Rock’n Roll stellt er uns seine Familie, Freunde und Nachbarschaft vor: Vater Yannis, der in Uniform wie eine Vogelscheuche aussah und den Offiziersfrauen Pantoffeln a la Hollywood anfertigen musste, Großvater Kostas, der im Suff eine Polizeiwache überfiel, Patenonkel Antiochos, in dessen Lokal Atatürk ein- und ausging, die resolute Urgroßmutter Sultana, die das Brot für die Familie mit einer vorgetäuschten Schwangerschaft ergattert, den Schulfreund Restis, der den gestrengen Lehrer im Bordell erwischt, die jüdische Tante Rebecca, deren Bruder von deutschen Agenten während des Krieges ermordet wurde, Fischer, Wahrsager, Wasserträger…

Mit einer an Aziz Nesin gemahnenden Schalkhaftigkeit und geradezu übersprudelnden Erzählfreude berichtet Jorgos Valasiadis vom Leben der Minderheit, von Migration und Integration und von der Schönheit des Lebens.

Autor

Jorgos Valasiadis, 1940 in Istanbul geboren, absolvierte 1960 das Zografion Gymnasium. Nach seinem Wehrdienst als Leutnant in der türkischen Armee heiratet er und emigrierte 1965 nach Deutschland, wo er ein Fachhochschulstudium als Außenhandelswirt abschloss. Seit 1975 ist er deutscher Staatsbürger, lebt In Frankfurt/Main und arbeitet für eine internationale Institution. Nebenbei lehrt er Iaido – die japanische Samuraischwertkunst, verfasst Haikus und schreibt Geschichten in griechischer, türkischer und deutscher Sprache. Seine Erzählungen erschienen in verschiedenen Anthologien, sein letzter Roman wurde zeitgleich in griechischer und türkischer Sprache publiziert.

Leseprobe

Sultana, die Mutter meiner Oma Katina, gehörte zu den Frauen, die niemals, in keiner Lebenssituation, aufgaben. Verluste und Niederlagen hat sie nie akzeptiert. Auch galt keine andere Meinung als ihre. Durch ihre stattliche Figur und Marotten war sie jedem in Tatavla, dem Stadtviertel in Istanbul, in dem auch ich das Licht der Welt erblickte, bekannt. Geprägt durch ihr hartes Schicksal, konnte sie so schnell nichts aus der Fassung bringen. Ihr Leben nämlich änderte sich abrupt, als sie mit einundzwanzig Witwe wurde. Sie stillte noch ihre einjährige Tochter als an jenem Tag das stürmische Meer ihr den Mann, den Kapitän und Eigner zweier Fischkutter, nahm.

Zwar hatte ihr der Selige außer den Booten auch Ländereien hinterlassen, aber wie alle Frauen der damaligen Zeit verstand sie nichts vom Geschäft, was sie fast in den Ruin trieb, nicht wissend, wie sie ihr Katinchen ernähren sollte.
"Die haben mir alles weggenommen, diese gottlosen Penner“, wetterte sie und verfluchte die Fischer, die für ihren Mann tätig gewesen waren. „Ich war jung und unerfahren, noch dazu des Lesens und Schreibens nicht mächtig, sie haben mich hereingelegt! Der Teufel soll sie holen! In der Hölle sollen sie brennen!“, stieß sie zischend hervor. „Unsere Ländereien wären jetzt von großem Wert!“

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